Kunst und Malerei
Marc Chagall
Marc Chagall wurde am 25. Juni 1887 im heutigen Weißrussland mit
dem bürgerlichen Namen Moishe Segal geboren. Er entstammte einer
orthodoxen jüdischen Familie und nachdem er die Gemeindeschule besucht
hatte, wurde er Schüler des Malers Jehoda Pen. Er setzte seine Ausbildung
zum Künstler in Sankt Petersburg fort und besuchte weiter die Swansewa-Schule,
wo er in Kontakt mit neuerer Malerei trat.
Im Jahr 1910 reiste er nach Paris, um sich dort ein eigenes Atelier einzurichten,
das er durch den Verkauf mehrerer Gemälde finanzieren konnte. Dort
begann er mit seinen ersten Aktstudien und versprach sich Unterstützung
von anderen russischen Künstlern, wie beispielsweise Wassily
Kandindsky. Er übersiedelte in ein größeres Atelier
inmitten der Pariser Bohéme und wurde fortan le poéte
genannt. Zahlreiche Besuche in Museen und Galerien und vor allem die Werke
von Paul Gauguin, Vincent
van Gogh und Henri Matisse beeinflussten
und inspirierten sein Schaffen. Auch der Kubismus prägte ihn nachdrücklich,
sodass er in der künstlerischen Umsetzung seiner Erlebnisse im Alltag
seiner Phantasie freien Lauf lassen konnte. Dies wurde großteils
auch durch die Technik Gouache möglich, bei der mit Wasser verdünnte
Deckfarbe auf Papier aufgetragen wird, was äußerst kostengünstig
war.
1913 lernte Chagall Herwarth Walden kennen, der Herausgeber des Sturm
war, und später auch dessen erste Einzelausstellung in Berlin organisierte.
Auf der Reise zu seiner eigenen Ausstellung verweilte er einige Zeit in
seiner Heimat, doch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges machte eine Weiterfahrt
nach Paris unmöglich. Dort heiratete er 1915 auch seine Lebensgefährtin
Bella Rosenfeld und arbeitete bei seinem Schwager, um dem Kriegsdienst
entgehen zu können. Zu dieser Zeit prägten die Ereignisse des
Weltkrieges sein künstlerisches Schaffen und er malte hauptsächlich
Motive seines Alltags. Wenige Jahre später gründete er eine
Kunstschule und erteilte Kunstunterricht an der Seite von Kasimir
Malewitsch. Doch da es zwischen den beiden immer mehr zu Streitigkeiten
kam und sich Malewitschs Schwarzes
Quadrat als mehr richtungweisend herausgestellt hatte, migrierte er
mit seiner Familie nach Berlin. Dort verweilte er mehrere Jahre, entschied
sich aber wegen der prekären Lage aufgrund seiner jüdischen
Wurzeln zu einer Auswanderung in die USA. Dort entwarf er mehrere Bühnenbilder
und Kostüme für das Ballett und jene Motive begleiteten ihn
weiterhin für viele Jahre.
1948 kehrte Chagall nach Europa zurück und es folgte eine durchwegs
produktive Schaffensphase und zahlreiche Ausstellungen. Am 28. März
1985 starb er im Alter von 97 Jahren.