Kunst und Malerei

Suprematismus

SuprematismusDer Suprematismus ist eine Strömung, die, wie der Konstruktivismus, in der Sowjetunion ihre Wurzeln hat. Ausgehend von den futuristischen Arbeiten von Kasimir Malewitsch entwickelte sich der Suprematismus zu einer abstrakten Kunstrichtung, die sich vorwiegend auf geometrische Figuren beschränkt. Diese sind nach Malewitschs theoretischen Auseinandersetzungen durch ihre Gegenstandslosigkeit das Höchste - wovon sich der Begriff des Suprematismus (lat.: suprematia - Überlegenheit) ableitet. Diesem verleiht er Ausdruck, indem er das Quadrat einem seiner am häufigsten gebrauchten Motive auserkoren hat und mit dem Schwarzen Quadrat auf weißem Hintergrund ein bahnbrechendes Werk schuf. Nach einigen bedeutenden Ausstellungen in den Jahren 1911 und 1915 konnten Künstler der Russischen Avantgarde international auf sich aufmerksam machen und das Zeitalter der gegenstandslosen Kunst einläuten.

Neben dem Quadrat sind auch der Kreis und das Kreuz vorherrschende Motive im Suprematismus. Dies wird besonders eindrucksvoll im Werk von El Lissitzky veranschaulicht, der maßgeblich dafür verantwortlich war, dass sich diese Kunstrichtung weit über die Grenzen der Sowjetunion ausbreiten und etablieren konnten. Schließlich richtete dieser mehrere Ausstellungen in Deutschland aus und beeinflusste die niederländische Künstlergruppe De Stijl sowie die deutsche Kunstschule Bauhaus.

Suprematistische Prinzipien zeigten sich allerdings nicht nur in der Malerei, sondern fanden auch Einzug in anderen Bereichen der Kunst, wie Bildhauerei, Architektur oder Design. So wurden beispielsweise Marken der Essensrationen oder auch Geschirr und andere (Gebrauchs-)Gegenstände aus Porzellan sowie Textilien auf diese Art und Weise gestaltet.

Malewitsch wie Lissitzky sahen in der neuen, revolutionären Auffassung zu Ästhetik und Formgebung eine Parallele zu den gesellschafts-politischen Umwälzungen der Sowjetunion zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zunächst wurde diese neue Kunstrichtung sogar für Plakate der politischen Propaganda genutzt und konnte sich weitgehend vom Staat unbeeinflusst entwickeln. Doch es kristallisierte sich kurze Zeit später heraus, dass die geistige Freiheit des Suprematismus nicht mit den Ansichten der neuen kommunistischen Regierung vereinbar war. So gerieten Malewitsch und zahlreiche andere Künstler in Verruf und ihr Schaffen wurde unterbunden oder diffamiert. Zu einer Neubewertung des futuristischen Suprematismus kam es letztlich erst im Zuge der Perestroika in den 1980er Jahren.