Kunst und Malerei

Sonderfälle

Die abstrakte Malerei geriet oftmals in das Kreuzfeuer der Kunstkritiker und -theoretiker, da sich über die Kunstwürdigkeit der Darstellungen streiten lässt. Ein besonders prekärer Fall liegt in dem Schimpansen Congo begründet, der mehrere Jahre unter der Beobachtung vom nobelpreisgekrönten Zoologen und Verhaltensforscher Desmond Morris malte. Einige dieser Bilder wurden quasi incognito bei einer Londoner Kunstaustellung präsentiert und anerkennend als abstrakte Kunstwerke rezipiert. Doch als es publik wurde, dass die Bilder von Congo stammten, führte dies zu großer Empörung und aufbrausenden Debatten.

Vor dem Hintergrund, dass ein Kunstwerk ein Produkt aus künstlerischem Schaffen ist, das einen gewissen ästhetischen Anspruch durch eine zielgerichtete Intention erfüllen sollte, ist die Beurteilung von sogenannter Psychiatrie-Kunst nicht eindeutig vorzunehmen. Hierfür bekannt ist die Sammlung Prinzhorn, die sich in Heidelberg befindet und vom deutschen Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn begründet wurde. Dieser erzielte mit seinem 1922 veröffentlichten Buch Bildnerei der Geisteskranken großes Interesse und weit reichende Anerkennung in der Kunstszene. Auch der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler hat auf dem Gebiet der zustandsgebundenen Kunst wichtige Erkenntnisse erzielt.

Verwandt mit der zustandgebundenen Kunst ist die sogenannte Art Brut bzw. im anglo-amerikanischen Sprachraum bezeichnete Outsider Art. Dieser Begriff dient als Sammelbegriff für Kunst von Autodidakten und wird abseits von bildenden Künsten verwendet. Er geht zurück auf den französischen Maler Jean Dubuffet, der mit anderen Künstlern bzw. Sammlern 1947 in Paris die Compagnie de l'Art brut gegründet hatte, deren Objekt der Begierde alternative Kunst war. Die beträchtliche Sammlung wird seit 1976 in Lausanne als Collection de l'Art brut dauerhaft ausgestellt.

Ein weiterer wichtiger Begriff in diesem Kontext ist die naive Kunst, die ebenfalls autodidaktisches Schaffen bezeichnet. Diese hat allerdings eher phantastische oder phantasievolle Motive als Grundlage und wird zumeist stark vereinfacht dargestellt. Meist liegt der Abbildung der Gegenstände ein traumhaftes Wunschdenken zugrunde. Die naive Kunst erlangte durch eine Wanderausstellung in den 1930er Jahren großen Bekanntheitsgrad bei einem breiten Publikum. Die Schauplätze waren neben Paris und Zürich auch London und New York.